Holzgespräche 2018 Nachlese

Österreichische Holzgespräche 2018 in der Holzhauptstadt Graz:

START DER BILDUNGSOFFENSIVE WALD & HOLZ

(Graz, 15.11.2018) Im Rahmen der Österreichischen Holzgespräche 2018, die heuer in Graz stattfanden, wurde eine Bildungsoffensive für den Sektor gestartet, die vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) unterstützt wird. In einem ersten Schritt sind sektorübergreifende Infoveranstaltungen, Impulsvorträge, Schulwettbewerbe und Vergabe von Projektarbeiten geplant. Die Steiermark präsentierte sich im Rahmen der Tagung als bedeutendes Forst- und Holzland. Bundesministerin Elisabeth Köstinger bezeichnet die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder als Teil der Lösung gegen den Klimawandel.****

     I. Start der Bildungsoffensive Wald & Holz

Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung plant gemeinsam mit dem Wald & Holz-Sektor zunächst folgende Aktivitäten:

a.)  Info/Inputveranstaltungen mit Vorträgen durch Vertreter der Wertschöpfungskette Wald & Holz auf der einen Seite sowie auf der anderen Seite mit Führungskräften der Schulen, der Schulaufsicht zum Austausch von Informationen, Erarbeitung gemeinsamer Vorgehensweisen und Networking. Es ist angedacht, diese Veranstaltung alle 2-3 Jahre zu wiederholen.
b.)  Fallweise Impulsvorträge an HTL- und HLFS- Schulen (HLFS = Höhere land- und forstwirt­schaftliche Lehranstalten) durch Fachleute aus der Holzindustrie im Rahmen des Regel­unterrichts. Diese bilden den Auftakt zu Projektarbeiten, die (zumindest) in den Bautechnik HTLs gemacht werden.
c.)  Schulwettbewerbe zum Thema Wald & Holz.
d.)  Vergabe von Diplomarbeiten zu konkreten firmen- und branchenbezogenen Fragestellungen.
e.)  Projektwochen im Rahmen der baupraktischen Ausbildung: Dabei zeigen Fachleute aus der Industrie die aktuellen Holzbaupraktiken. Diese Projektwoche(tage) könnten auch in Koope­ration mit Lehrlingen von Firmen oder Polytechnischen Schulen stattfinden (dislozierter Unterricht).

Das BMBWF plant dabei die notwendigen Zugänge auf schulischer Seite zu schaffen, um die Kooperationen mit HTLs und HLFS in Gang zu bringen. Veranstaltungen mit regionalem Bezug stärken dabei die Eigenaktivitäten des Standortes.

Aktuell werden auch von Seiten des Wald- und Holzsektors bereits bestehende und aktuelle Initiativen des Wald- und Holzsektors in einer Zusammenschau dargestellt und aufbereitet, um sie in weiterer Folge in allen Schulstufen konzertiert anbieten zu können.

„Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg einer Branche. Auch der Forst- und Holzsektor ringt am Arbeitsmarkt um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bereits die Schülerinnen und Schüler sollen auf das enorme Karriere-Potential in unserem Sektors aufmerksam gemacht und für den innovativen Wertstoff Holz begeistert werden“, betont der Vorsitzende der Kooperationsplattform Forst Holz Papier, ÖKR RUDOLF ROSENSTATTER im Rahmen der Österreichischen Holzgespräche.  

„Die Prinzipien der Nachhaltigkeit sind in unserem Bildungssystem fest verankert. Nur, wenn wir unsere natürlichen Ressourcen sinnvoll und nachhaltig nutzen, können wir auch zukünftige Generationen bestmögliche Lebensqualität gewährleisten. Vernetzungstreffen wie die Holzgespräche leisten dabei einen wertvollen Beitrag, indem sie vielfältige Möglichkeiten zum Austausch bieten“, betont Bildungs- und Wissenschaftsminister HEINZ FASSMANN, der vom Generalsekretär des Ministeriums, MARTIN NETZER bei den Holzgesprächen vertreten wurde.

 

     II. Die Österreichischen Holzgespräche 2018 in Graz:
Wald& Holz: Wir bauen drauf!

Die Österreichischen Holzgespräche sind die wichtigste Branchenveranstaltung zum Thema Wald und Holz in Österreich und versammeln so gut wie alle Spitzenvertreter der Wertschöpfungskette Holz aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Holzgespräche haben heuer das Motto „Wald & Holz: Wir bauen drauf!“. Die Veranstaltung, die jedes Jahr in einem anderen Bundesland ausgetragen wird, tagt heuer in der „Holzhauptstadt“ Graz, die Bürgermeister SIEGFRIED NAGL in seinem Referat vorstellt. Als Referent konnte auch der Berliner Holzbauexperte TOM KADEN gewonnen werden, der dem neu geschaffenen  Holzbau-Lehrstuhl an der TU Graz vorsteht. Autobauer CHARLES MORGAN konstruiert nicht nur hochwertige Autos, sondern „fährt auch auf Holz ab“ und ist Partner im Forschungsprojekt Wood Car, das u.a. auch  mit österreichischen Experten umgesetzte wird. BOKU-Professor ALFRED TEISCHINGER erläutert Biodiversität als Herausforderung und Chance für die Forst- und Holzwirtschaft.

FBM Köstinger: Nachhaltige Waldbewirtschaftung als Antwort auf aktuelle Herausforderungen
"Die Herausforderungen, die sich der Forst- und Holzsektor zur Zeit stellen muss, sind immens. Die Herausforderung Nummer eins ist dabei der Klimawandel, der unsere Wälder massiv unter Druck bringt. Im Kampf gegen den Klimawandel ist der Wald selbst aber auch wichtiger Teil der Lösung. Dies gelingt durch aktive und nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder und macht den Forst- und Holzsektor darüber hinaus auch noch zu einem unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor für unser Land“, betont ELISABETH KÖSTINGER, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus und dankt in einer übermittelten Videobotschaft allen, die sich für Wald und Holz in Österreich einsetzen."

LH Schützenhöfer: Holz-Innovationsland Steiermark
"Der Rohstoff Holz ist für die Steiermark von großer Bedeutung. Von der Energiegewinnung, über die Papierindustrie bis hin zur Verwendung als Baustoff sorgt der Wald für Arbeit und Wohlstand. Als Innovationsland ist die Steiermark ganz vorne dabei, wenn es darum geht, neue Wege bei der Nutzung dieses Rohstoffs zu gehen", so Landeshauptmann HERMANN SCHÜTZENHÖFER.

LR Seitinger: Neue Einsatzbereiche für das Naturwunder Holz
"Die Steiermark als das waldreichste Bundesland Österreichs hat in den letzten Jahren eine überaus positive Entwicklung im Holzbau genommen. Dank der hervorragenden Leistungen unserer steirischen Holzwirtschaft in der innovativen Produktentwicklung und den wissenschaftlichen Anstrengungen unserer Universitäten ergeben sich neue und spannende Einsatzbereiche für das Naturwunder Holz. Mein Ziel als Landesrat ist es klar, Holz vermehrt im öffentlichen Raum, im Wohnbau und im Rahmen neuer Technologien einzusetzen, damit es uns gelingt, die nahezu uneingeschränkten Möglichkeiten dieses nachhaltigen Rohstoffes zu nutzen“, betont der für Land- und Forstwirtshaft zuständige Landesrat JOHANN SEITINGER.

Teischinger: Biodiversität und Holznutzung
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Im „philosophicum lignum“, einer interdisziplinären Denkwerkstatt der Fürst Starhemberg´schen Familienstiftung in Oberösterreich, haben Experten aus dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft sowie der Holzwirtschaft und anderen Bereichen der Technik und Volkswirtschaft am Beispiel des Waldes und der Holznutzung das brennende Thema Biodiversität in der Forstwirtschaft diskutiert. Eine nachhaltige Entwicklung ist ohne Erhalt der Biodiversität nicht möglich, ohne Wirtschaft lässt sich Biodiversität in Anbetracht der Erfüllung der Bedürfnisse der Menschheit an Material und Energie nicht sichern – es geht also nicht um ein „entweder -  oder“, sondern um die Frage, wie Biodiversität im Wald und eine notwendige Holznutzung bestmöglich aufeinander abgestimmt werden können“, betont BOKU-Professor ALFRED TEISCHINGER und Mitglied der Denkwerkstatt.

Die vielen Fragen, Antworten, Meinungen und Einsichten aus dieser Expertenrunde sind in dem aktuell erschienenen Buch „Forstwirtschaft und Biodiversität – Interdisziplinäre Zugänge zu einem Brennpunkt nachhaltiger Entwicklung“ zusammengefasst.

Die Präsentationen der Vortragenden sind am Ende des Artikels angehängt.

 

     III. Digitalisierung im Cluster Forst & Holz:
Deutsch-österreichische Kooperationsvereinbarung „FOREST 4.0“ unterzeichnet!

Am 14.11.2018 unterzeichneten im Rahmen der „Österreichischen Holzgespräche 2018“ in Graz (Steiermark) die Vorsitzenden der deutschen Plattform „Forst & Holz“ und der österreichischen Plattform „Forst Holz Papier“ die Kooperationsvereinbarung „Forest 4.0“.

Die Kooperationsvereinbarung fokussiert auf die grenzüberschreitende Entwicklung digitaler Kommunikations- und Automatisationstechnologien im Wirtschaftscluster Forst & Holz und somit der Auflösung nationaler und internationaler Kommunikations- und Kompatibilitätsprobleme im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung. Im Zeitalter der sogenannten Megatrends „Globalisierung“ und „Digitalisierung“ sollen gemeinsam die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, die Versorgungs- und Absatzsicherung des ökologisch und ökonomisch essentiellen Rohstoffes Holz, die Rationalisierung und Effizienzsteigerung der damit verbundenen Produktions- und Logistikprozesse sowie einen noch stärkeren Klimaschutzbeitrag des europäischen Wirtschaftsclusters Forst & Holz zu befördern.

Georg Schirmbeck: „Lasst uns mit der Entwicklung eines gemeinsamen elektronischen Datenstandards sprichwörtlich künftig mit einer Stimme sprechen. Grenzenlos. Digital. Prozessorientiert.“ Rudolf Rosenstatter: „Reichen wir einander die Hand und lassen Sie uns die gewaltigen Zukunftsherausforderungen im Bereich der Forst- und Holzwirtschaft zur Daseinsvorsorge aller gemeinsam lösen!“

Avisiertes Ziel der Kooperation ist es, in den nächsten zwei Jahren die digitale Kommunikation im deutsch-österreichischen Wirtschaftscluster Forst & Holz zu harmonisieren, sie effizienter und aus Sicht des Datenschutzes zugleich sicher zu gestalten und zum Nutzen aller beteiligten Akteure die bislang vorherrschenden statischen Modelle in dynamische Prozessmodelle weiterzuentwickeln.

Unterzeichnung FOREST 4.0

Foto v. l. n. r.:
Alberich Lodron (Plattform „Forst Holz Papier“)
Georg Schirmbeck (Sprecher der Plattform Forst & Holz und Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates)
Rudolf Rosenstatter (Vorsitzender der Plattform „Forst Holz Papier“)
Matthias Noack (Deutscher Forstwirtschaftsrat)

 

Präsentationen der Vortragenden:


Österreichische Holzgespräche 2016 Nachlese


Forst- und Holzsektor zeigt Flagge bei den Österreichischen Holzgesprächen 2016

Rudolf Rosenstatter als FHP*-Vorsitzender wiedergewählt

Die Österreichischen Holzgespräche, die wichtigste Branchenveranstaltung des Holzsektors, fand heuer erstmals in Salzburg statt. Veranstalter ist wieder die Kooperationsplattform Forst Holz Papier (FHP). Das Generalthema „Holz: Wir zeigen Flagge“ unterstreicht die enorme Bedeutung der Branche für Wirtschaft und Umwelt. Im Rahmen der Tagung wurde Rudolf Rosenstatter als FHP-Vorsitzender einstimmig wiedergewählt.

I.Österreichische Holzgespräche erstmals in Salzburg

Die Österreichischen Holzgespräche sind die größte und wichtigste Jahresveranstaltung des Forst- und Holzsektors und finden heuer insgesamt zum neunten Mal statt. Salzburg ist erstmals dafür Austragungsort. Heuer steht die Konferenz unter dem Motto „Holz: Wir zeigen Flagge“. Hauptredner zu diesem Thema ist Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der Vizerektor der TU Wien, Josef Eberhardsteiner, gibt eine Zusammenschau zur World Conference on Timber Engineering, die heuer im August Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Wien zum Thema Holz zusammenführte. Der Vizedirektor des Österreichischen Parlamentes, Alexis Wintoniak, erläutert die Gründe, warum das Ausweichquartier während des Parlamentsumbaus aus Holz errichtet wird. Leo Bauernberger, Geschäftsführer des Salzburg Land Tourismus, stellt dar, wie die zwei wichtigsten Wirtschaftszweige Österreichs, der Tourismus und der Holzsektor, miteinander kooperieren. Umwelt- und Gesundheitspsychologin Renate Cervinka wiederum präsentiert Studienergebnisse zur Gesundheitswirkung von Wald und Holz.

II.Rudolf Rosenstatter als FHP-Vorsitzender wiedergewählt

Im Rahmen der Österreichischen Holzgespräche tagten auch die höchsten FHP-Gremien. Der Exekutivausschuss wählte dabei ÖKR Rudolf Maximilian Rosenstatter für die Periode 2017/2018 als Vorsitzenden wieder. Rosenstatter bekleidete das Amt bereits im Jahr 2016 und gehörte davor auch den höchsten FHP-Entscheidungsgremien in seiner Funktion als Obmann des Waldverbandes Österreich und als Obmann von proHolz Salzburg an. Die Wiederwahl erfolgte einstimmig.

III.Neuer Leistungsbericht des Forst-Holzsektors veröffentlicht

Der neue Bericht behandelt auf 36 Seiten drei Schwerpunkte:

  • die Kooperationsplattfrom mit ihren Funktionen und Leistungen
  • die Wirtschaftsleistungen der Wertschöpfungskette Holz und
  • den Klimafaktor Wald und Holz

III.1. Der Wirtschaftsfaktor Holz

Der Forst- und Holzsektor ist in Österreich – nach dem Tourismus - der zweitwichtigste Wirtschaftszweig. 172.000 Familien und 300.000 Arbeitnehmer beziehen ihre Einkommen in Österreich aus der Forst- und Holzwirtschaft. Damit arbeiten 10 von 100 Menschen in unserem Land für diesen Sektor. Dem gegenüber steht ein Produktionswert von EURO 12 Mrd. und ein Exportüberschuss von durchschnittlich EURO 3,5 Mrd. Mit einem Überschuss von EURO 3,85 Mrd. lag der Holzsektor im Jahr 2015 einmal mehr im Spitzenfeld der Aktivposten des österreichischen Außenhandels und erreichte ein Plus von 3,1%. Die Branche ist mit einem Exportanteil von 70% in der Holzindustrie und 85% in der Papier- und Zellstoffindustrie stark außenhandelsorientiert.

III.2. Der Klimafaktor Wald

Der Klimawandel und der nachhaltige Umgang mit knappen Ressourcen gehören zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. In diesem Zusammenhang spielen Wälder eine besonders bedeutende Rolle. Dies wurde auch in den Zielsetzungen des globalen Klimaabkommens von Paris bestätigt.
Wälder samt ihren Böden haben ein großes Potential, den globalen Anstieg der CO2-Konzentration und den Temperaturanstieg zu mildern. Dieses Potential liegt im Ersatz von fossilen Brennstoffen durch erneuerbare Energieträger sowie in der Kohlenstoff-Speicher-Funktion von Wald-Biomasse und Holzprodukten. Dem wald- und holzbasierten Sektor kommt daher eine wesentliche Schlüsselrolle beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel zu. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes und die Erhaltung seiner multifunktionalen Leistungen ist dabei oberstes Ziel.
In langlebigen Holzprodukten, wie beispielsweise Bauten oder Möbel, ist der Kohlenstoff für viele Jahrzehnte der Atmosphäre entzogen. Als einfach zu merkende Kennzahl gilt: In einem Kubikmeter Holz sind rund eine Tonne CO2 (Äquivalent) gespeichert. Besonders vorteilhaft fällt die Klimabilanz von Holz aus, wenn die Substitutionseffekte noch zusätzlich berücksichtigt werden. In vielen Fällen kann Holz andere Materialien, deren Gewinnung, Verarbeitung und Bereitstellung, die ungleich energie- und damit CO2-intensiver ist, ersetzen. In 40 Sekunden wächst also Holz für ein Einfamilienhaus nach.

III.3. Neue Bewusstseins-Kampagne „Klimafitte Wälder“

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft startete am 27.10.2016 gemeinsam mit der Kooperationsplattform Forst Holz Papier (FHP) die Kampagne „Holz verwenden ist gut für das Klima – Wir machen unseren Wald klimafit“. Die Kampagne soll die Waldbesitzer/innen in der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Wälder unterstützen und die breite Öffentlichkeit zur vermehrten Verwendung von Holz motivieren. Dies geschieht durch mediale Bewusstseinskampagnen sowie durch konkrete Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette Holz. Weitere Details unter www.klimafitter-wald.at
Die Fotos vom Netzwerktreffen und den HOLZgesprächen 2016 finden Sie in unserer Fotogalerie.

Die Präsentationen der Vortragenden sind am Ende des Artikels angehängt.
Präsentationen der Vortragenden:


Österreichische Holzgespräche 2015 Nachlese

HOLZ: auf Schiene!

Die diesjährigen Holzgespräche fanden unter dem Motto „HOLZ: auf Schiene!“ in Eferding, Oberösterreich, statt. Das Motto ist vielschichtig und vieldeutig zu verstehen, so wie Holz wichtiger Wirtschaftsfaktor und ökologisches Wunderkind zu gleich ist. Dass Holz die Lokomotive der Wertschöpfungskette ist, wurde auch in den Vorträgen der namhaften Referentinnen und Referenten aufgezeigt, welche Lösungsansätze für die großen Herausforderungen des Marktes und der Gesellschaft, vorstellten.
Nach der Begrüßung der Branchenvertreter durch den Gastgeber und FHP-Vorsitzenden Georg Starhemberg, eröffnete Dr. Thomas Stelzer, Landeshauptmann-Stellvertreter, die Veranstaltung. Ausgehend von der derzeitigen Flüchtlings-Situation und der steigenden Arbeitslosigkeit, hob er die Wichtigkeit von Holz als Potential für die Arbeitsplatzschaffung hervor. Nicht nur im Bau spielt Holz eine massive Rolle, sondern auch in der Forschung, bei Innovationen und der Weiterentwicklung, durch welche letztendlich neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Klimawandel als größte Herausforderung

Im Eröffnungsreferat stellte Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach und ehemaliger EU-Agrarkommissär fest: "Die Nutzungs-möglichkeiten im österreichischen Wald sind bei Weitem noch nicht ausgenützt, sehr viel Potenzial liegt noch brach. Es ist deutlich mehr hiebsreifes Holz da als genutzt wird. Den Waldbesitzern geht Vermögen verloren, wenn sie zum Zeitpunkt der Hiebsreife nicht ernten." Zuerst sollte das Holz aber stofflich verwertet werden, ehe es am Ende des Lebenszyklus verbrannt wird. Diese kaskadische Nutzung gelte es weiter zu forcieren, so Fischler. "Die größte Herausforderung für den Wald stellt der Klimawandel dar. Die Baumartenwahl ist entscheidend, aber nicht einfach: Die Waldbesitzer müssen zumindest 80 Jahre vorausplanen. Insgesamt verlangen die Herausforderungen der Zukunft neue Herangehensweisen in der Waldbewirtschaftung und innovativere Formen der Holzverwendung. Wir müssen eine Innovations-Kette aufbauen", erklärte Fischler.

ÖBB wollen wieder mehr Holz auf der Schiene transportieren

"Die Forst- und Holzwirtschaft ist der wichtigste Partner der ÖBB im Bereich Gütertransport. In den vergangenen Jahren musste unser Unternehmen jedoch die Güterbeförderung wirtschaftlich gesunden lassen. Das ist gelungen. Die Holzbranche musste allerdings höhere Preise und weniger Verladebahnhöfe akzeptieren", berichtete ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern. Trotzdem müssten die ÖBB den Holztransport mit einem "deutlich zweistelligen Millionenbetrag" bezuschussen. Das könne sich das Unternehmen einerseits leisten, weil das Jahresergebnis von 330 Mio. Euro Verlust 2010 auf +100 Mio. Euro 2014 gedreht werden konnte. "Außerdem haben die Bundesbahnen auch im strukturschwächeren ländlichen Raum eine Standortaufgabe zu erfüllen", sagte Kern.
"Es gibt noch 128 Holzverladebahnhöfe in Österreich. Damit haben wir pro 100 km neun dezentrale Bahnhöfe. Deutschland hat sechs und Italien nur einen pro 100 km. Wir haben das dichteste Bahnnetz der Verladung in Europa. Diese Struktur soll so erhalten bleiben", unterstrich der ÖBB-General.

Fischler Mannsberger Kern1200Auch ÖBB bauen mit Holz

Mit der Plattform Forst-Holz-Papier (FHP) gebe es eine "Zusammenarbeit auf Augenhöhe", so Kern. Im Vorjahr erwirtschaftete man mit der Forst- und Holzwirtschaft 220 Mio. Euro Umsatz, bis 2018 strebe man 250 Mio. Euro an. Als Teil der guten Partnerschaft mit der Holzbranche verwies Kern darauf, dass auch die ÖBB mit Holz bauen. Demnächst werde der Güterterminal Inzersdorf eröffnet. Die Bahnhöfe Zeltweg und Gramatneusiedl seien ebenfalls Holzbauten. "Der größte ÖBB-Holzbau wird aber in der Weststeiermark der Bahnhof vor dem Koralm-Tunnel", blickte Kern in die Zukunft.

35 Mio. EURO Schaden durch Käferkalamität

"Gäbe es diese neue Vereinbarung mit den ÖBB nicht, kämen 200.000 Lkw-Fahrten zusätzlich zum Einsatz", erläutert Sektionschef Gerhard Mannsberger vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft dazu. In den kommenden Monaten seien flexible Transportlösungen gefragt, gelte es doch, das vom Käfer befallene Holz möglichst rasch zu den Verarbeitern zu bringen. Heuer fallen 1,5 Mio. Festmeter Schadholz an, das auf die Käferkalamität zurückzuführen ist. Das bedeutet einen wertmäßigen Schaden von rund 35 Mio. Euro. Das Schadholzaufkommen könnte sich erfahrungsgemäß 2016 verdoppeln, so der Experte im Rahmen der Pressekonferenz, die heuer erstmals im Rahmen der Holzgespräche veranstaltet wurde.

Außernutzungstellungen sind die schlechteste Lösung

Angesichts des Klimawandels sieht Mannsberger den Wald eindeutig als Betroffenen. Die Forstwirtschaft sei aber auch ein Teil der Lösung, weil der Wald CO2 binde. "Ein Urwald ist CO2-neutral - er gibt so viel ab, wie er aufnahm. Außer Nutzung gestellte Wälder wären die schlechteste Lösung. Hier würden ältere Bestände zunächst mehr Kohlenstoff freisetzen als kommende Bestände binden könnten. Im bewirtschafteten Wald bleibt CO2 in Form der Holzprodukte längere Zeit gebunden", stellte Mannsberger fest.
In Österreich werden jährlich rund 18 Mio. Erntefestmeter Holz geerntet. Als Potenzial nannte Mannsberger 22 Mio. Festmeter. In Form von Arrondierungen im Zug von Naturschutzprogrammen könnte es weitere Schutzflächen geben, erklärte er. Außernutzungstellungen seien aber problematisch. Verbesserungen könnte sich Mannsberger beim Grad der stofflichen Nutzung noch vorstellen. "Derzeit sind wir bei 78% des geernteten Holzes, das zuerst stofflich und erst dann thermisch genutzt wird. 85% wären möglich. Jedes Prozent mehr erfordert allerdings überproportionale Anstrengungen", gab der Sektionschef zu bedenken.

Bausektor bietet noch großes Potenzial für Holz

Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), sieht noch großes Potenzial für Holz im Baubereich: "Vom gesamten Bauvolumen in Österreich im Umfang von rund 17 Mrd. Euro hat der Holzbau einen Anteil von 3,7 Mrd. Euro. Eine 2%ige Verschiebung vom Bauvolumen bedeutet um 10% mehr Holzbau", betonte Weiss. Er verwies dabei auf zahlreiche von der BIG umgesetzte Projekte.
Für die Verwendung des natürlichen Rohstoffes Holz im Wohnbau würden zahlreiche Argumente sprechen, so der Referent. Die rechtlichen Rahmenbedingungen (Brandschutzanforderungen, mehrgeschoßiger Wohnbau usw.) seien mittlerweile etwas verbessert worden. Auch von den Kunden werde der Wunsch nach Holzverwendung geäußert, berichtete Weiss. Als positives Beispiel für modernen Holzbau präsentierte Andrea Reithmayer, Vizerektorin der BOKU Wien, den geplanten Neubau der Büro- und Laborgebäude der IFA (Department für Agrarbiotechnologie) in Tulln.

Holzhaus als Burn-Out-Prophylaxe

Auch die Klimatologin Christa Kummer verwies in ihrem Referat auf die Notwendigkeit, rechtzeitig Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu erarbeiten. Die Forstwirtschaft sei aber hier auf einem guten Weg, betonte sie. „Mir macht nicht der Klimawandel Angst. Mir macht ein Faktor Angst, der nicht kalkulierbar ist: der Faktor Mensch“, sagte Kummer und plädierte an die Vernunft der Menschen, mehr in Qualität, statt in Quantität zu investieren. Als erfahrene Bewohnerin eines Holzhauses schlug Kummer vor „Holzhäuser als Burn-Out-Prophylaxe“ zu nutzen und sorgte dabei für gute Stimmung im Publikum.
Bekanntlich setzt sich die Plattform Forst-Holz-Papier (FHP), seit einiger Zeit intensiv für die vermehrte Verwendung von Holz im Bausektor ein. FHP-Generalsekretärin Hermine Hackl stellte die FHP-Charta für Holzbau vor, welche mittlerweile von zahlreichen Institutionen, Vereinigungen und auch Einzelpersonen (darunter auch von mehreren Bundesministern und zahlreichen Nationalratsabgeordneten) unterzeichnet wurde. Diese Unterstützungserklärungen und daraus resultierende Forderungen wurden bereits an Wirtschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner übergeben, wie FHP-Vorsitzender Georg Starhemberg mitteilte.

Rosenstatter Starhemberg1200Rosenstatter folgt Starhemberg

Zuletzt bedankte sich der Gastgeber und FHP-Vorsitzende Georg Starhemberg für die gute Zusammenarbeit bei all jenen, welche seine fünfjährige Vorsitzzeit begleiteten. Starhemberg legt mit Ende 2015 seine Funktion zurück. Für (zunächst) 2016 wurde Rudolf Rosenstatter, Obmann des Waldverbandes Österreich, als sein Nachfolger nominiert. Rosenstatter fand herzliche Worte des Dankes an Starhemberg und überreichte eine Holzstatue des heiligen Josef an den Hausherren. Starhemberg freute sich sichtlich über die Geste und verkündete, dass die Statue in der Schloss eigenen Kapelle, einen passenden Platz finden werde.

Film über 10 Jahre FHP

Aus Anlass des 10-Jahresbestehens der Kooperationsplattform FHP gab ein Film kurzen Ein- und Überblick zu den gesetzten Aktivitäten und erreichten Zielen und skizzierte die Hauptaufgaben der Organisation. In der Fotogalerie finden sie die Bilder zu den Holzgesprächen.

 

 

 

 

 

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